Die Wirkung der Meditation auf die Psyche: Meditation macht seelisch stabiler

Und auf der psychologischen Ebene gibt es auch eine Menge von Arbeiten. Menschen, die meditieren, sind im Vergleich zu Kontrollgruppen und Anfängern – eben hier hat der Ulrich Ott dort einige Forschungsergebnisse zusammengefasst – seelisch gesünder. Seelisch gesünder heißt auch, haben eine geringere Wahrscheinlichkeit jemals zum Psychiater zu müssen, eine Psychose zu erleben. Das widerspricht etwas dem, was mal in den 50er, 60er Jahren befürchtet wurde, wenn Menschen meditieren, wer weiß, was dabei alles passieren könnte. Und irgendwann hieß es dann, Menschen dürfen nur mit einem Guru unter persönlicher Anleitung meditieren, denn wer weiß, was dort alles passiert. Und heute gibt es viele Untersuchungen, sogar Menschen, die Meditation mit einem Buch, einer CD üben, bei denen steigt die psychische Stabilität, mindestens, sofern sie es nicht übertreiben. Aber die ganzen Forschungsergebnisse sind hauptsächlich gemacht worden, die zwanzig bis dreißig Minuten am Tag meditieren. Ein paar sind gemacht worden bei fortgeschritteneren Mönchen. Aber dann ist es nicht eine Untersuchung, wo man sagt, „Wie waren sie vorher? Und wie sind sie zwanzig Jahre später?“, sondern dann vergleicht man nur Psyche und psychologische Testresultate und Hirnscans von den zwanzig/dreißig Jahre lang Meditierthabenden mit denen, die nicht meditiert haben, ohne dass man weiß, wie das vor zwanzig, dreißig Jahren war. Die, die zwanzig Minuten am Tag meditieren, sind also seelisch gesünder, fühlen sich psychisch freudevoller, sie erleben ihr Leben als sinnerfüllter und die höhere Sinnerfüllung spielt auch eine Rolle bei „seelisch gesünder“, denn seelisch gesund kann man besonders gut sein, wenn das Leben gut geht. Und dann kommen Krisen. Leben hat nun mal Katastrophen. Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass das Leben einen von Katastrophen ausnimmt. Ich kann jetzt gerade mal fragen, wer von euch hat schon mal eine der folgenden Katastrophen erlebt: Ein Elternteil plötzlich gestorben. Dann, plötzliche Krankheit. Lebensbedrohende Krankheit bei einem nahen Angehörigen. Eine dauerhafte Behinderung bei einem nahen Angehörigen. Ein Schwangerschaftsabgang. Ich glaube, das reicht schon. Wer hat so etwas schon mal erlebt? Also, die ganz große Mehrheit der Anwesenden. Ich könnte das natürlich noch weiter ausbauen, aber das sind alles Dinge, die Menschen haben. Ich habe jetzt nicht Missbrauch und Vergewaltigung und diese Sachen gefragt, werde ich jetzt auch nicht machen. Aber die Mehrheit der Menschen erlebt so etwas, ein oder mehrmals im Leben, und für viele führt das zu einer langfristigen Belastung psychisch. Und eines, was man festgestellt hat, Menschen, die einen tieferen Sinnzusammenhang haben, innerhalb dessen sie diese Katastrophe deuten können, die werden damit besser fertig. Ich gebe mal zwei Beispiele. Man hat untersucht, Menschen, Buddhisten, die aus Tibet geflohen sind und Furchtbares erlebt haben. Vergewaltigung von Mutter und Schwester, Folter, ganze Familie erschossen während sie dabei waren, also grausame Sachen. Und man hat Menschen aus anderen Krisengebieten der Welt auch nachher befragt, die Ähnliches erlebt hatten, was zehn Jahre später war. Das Interessante war, die tief praktizierenden tibetischen Buddhisten haben zehn und zwanzig Jahre später eben nicht an posttraumatischer Belastungsstörung gelitten, bzw. zu einem sehr viel geringeren Prozentsatz. Und bei den anderen war das sehr viel größer. Natürlich haben sie beschrieben, sie haben gelitten und es war emotional äußerst schwierig und das Leiden erschien unaufhaltbar, da ändert auch ein tief spiritueller Kontext nichts in diesen Situationen. Es sei denn vielleicht, jemand ist gerade ein Heiliger. Aber man kann es irgendwo in einen größeren Kontext setzen, kann dem Ganzen irgendwo einen Sinn geben, kann den Peinigern irgendwann vergeben und das ist dann für die eigene psychische Gesundheit gut. Mir hat mal jemand berichtet, sie hatte auch irgendwas sehr Schweres erlebt und irgendwann hat dann die Therapeutin gesagt, „Willst du wirklich demjenigen, auch nach zehn Jahren, weiter die Macht geben, dein Leben zu ruinieren?“ Aber das ist natürlich nicht einfach abstellbar. Es gibt jetzt natürlich auch in der Psychotherapie eine Menge an neuen Entwicklungen bezüglich Traumabehandlung, nicht alles geht allein durch die Meditation, aber sehr viel mehr geht durch die Meditation, als man denkt. Wenn ihr mal jemanden habt in einem Kurs, der unter tiefem Trauma leidet, dann wäre es hilfreich, dort eine moderne Traumtherapie machen zu lassen. Also nicht zu jemanden, dessen letzte Fortbildung zehn Jahre her war. Was man vor zehn Jahren für Traumpatienten geraten hat, ist fast vollständig anders, als was man heute rät. Nur zu euerer Information, denn manche haben vielleicht noch das Wissen von vor zehn Jahren. Im Zuge des 11. Septembers hat in der Psychotherapieszene ein großes Umdenken eingesetzt, etwas, was schon Jahre vorher begonnen hat. Luise Rettemann z.B., die schon auf unserem letzten Yogakongress gesprochen hat, hat das eigentlich schon seit zwanzig, dreißig Jahren so in ihrer Klinik in Bielefeld umgesetzt. Aber es war der gängigen Schulmeinung zunächst noch entgegengesetzt. Nach dem 11. September wurden ja viele derjenigen, die Grausames erlebt haben, psychotherapeutisch begleitet. Da gab es eine Menge amerikanischer Psychotherapeuten, die sich bereit erklärt haben, gemeinnützig, kostenlos, diese zu betreuen. In Amerika ist ja dieses ehrenamtliche Engagement etwas sehr viel Alltäglicheres als in Deutschland, wo es ja auch schon viel gibt. Aber dass dort jemand seine beruflichen Fähigkeiten ehrenamtlich zur Verfügung stellt in einem größeren Stil, ist dort etwas sehr Verbreitetes. Und danach hat aber das jemand untersucht und hat dann eigenartigerweise festgestellt, diejenigen, die diese Traumatherapie mitgemacht haben, denen ging es im Durchschnitt erheblich schlechter als denen, die keine Traumatherapie mitgemacht haben. Das ist auch durch die ganzen Zeitschriften gegangen, wurde in berufsständigen Organisationen dort überlegt. Und eines, was man natürlich dann festgestellt hat, eben zum einen, wenn jemand krank ist, eine Therapie, die man für einen Gesunden macht, die hilfreich ist für einen Kranken, ist nicht immer gut für einen Gesunden. Und viele Menschen mit Traumas könnten damit sehr gut allein zurechtkommen ohne Hilfe. Und genauso, angenommen, man hat einen Gesunden und denkt, dem gebe ich auch mal Antibiotika, dann ist das schlecht für den. Aber zum zweiten hat man einiges umgedacht und es gibt einige neue Entwicklungen. Nur eben zu euerer Information.
– Fortsetzung folgt –
16. Teil der Vortragsreihe über Meditation von Sukadev Bretz aus Yoga Vidya Bad Meinberg. Niederschrift von Mitschnitten aus einer Meditation Kursleiter Ausbildung.

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