Karma – Lerne aus dem, was dir geschieht

Karma – Lerne aus dem, was dir geschieht

Das nächste ist Karma. Karma hat verschiedene Bedeutungen, je nach Kontext. In diesem Kontext heißt es, die Ereignisse, die auf uns zukommen, sind dazu da, dass wir daran wachsen. Es ist nicht so, dass die Ereignisse, die auf uns zukommen nur störend sind oder ein ironisches Schicksal oder von bösen Mächten dort auf uns zukommen, sondern die Yogis haben eine rosarote Brille und behaupten, „Alles, was auf mich zukommt, ist irgendwie dazu da, dass ich daran wachse.“ Jemand lobt mich. Warum? Dass ich daran wachse. Jemand tadelt mich. Warum? Dass ich daran wachse. Ich gewinne eine Million Euro in der Lotterie. Warum? Dass ich daran wachse. Jemand beraubt mich und räumt mein Konto aus und ich muss Bankrott erklären. Warum? Dass ich daran wachse. Relativ banal, oder? Nur, Karma beinhaltet jetzt nicht, passives Erdulden im Sinne von Fatalismus. Das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit zu wachsen. Man erduldet alles. Aber dagegen wehren sich die Yogameister seit Jahrhunderten, man kann sogar sagen, seit Jahrtausenden. Denn alles, was spirituell ist, wird irgendwo missverstanden. Und in Indien war oft ein Missverständnis, das heißt dann Fatalismus. Man nimmt alles an und tut wenig. Da hat sich schon Krishna dagegen gewehrt. Und der soll die Bhagavad Gita vor 5300 Jahren irgendwo verkündet haben. Gut, nach westlicher Orientalistik vielleicht vor 3000 Jahren oder so ähnlich, aber es ist jedenfalls schon eine Weile her. Es heißt eher, wir sollen wachsen an dem, was das Schicksal uns an Herausforderungen gibt. Und dann kann es sein, wir bemühen uns um etwas und es geht erstmal schief. Und warum passiert das? Dass wir uns noch mal bemühen. Dann geht es noch mal schief. Warum das? Dass wir uns noch intensiver bemühen. Und dann geht es noch mal schief und dann müssen wir uns noch intensiver bemühen. Es könnte aber auch ein Zeichen sein, dass wir es besser loslassen. Und dann ist natürlich die Frage, was sollen wir machen? Noch mal bemühen oder loslassen? Und hier muss ich euch leider sagen, vereinfachen tut Yoga das Leben nicht. Es gibt ja eine ganze Bhagavad Gita und die werden wir ja heute nicht behandeln, die 18 Kapitel geht. Arjuna stellt Krishna eine simple Frage, „Soll ich jetzt kämpfen oder soll ich mich zurückziehen?“ Der Krishna erzählt 18 Kapitel lang und sagt zum Schluss, „Und jetzt mach, was du willst.“ Was ist das für eine Instruktion? Das ist eine spirituelle Instruktion. Und so macht Yoga unser Leben nicht immer einfacher, es macht uns vor allem nicht unmündig. Ein guter Lehrer wird dem Schüler selten die Entscheidung abnehmen. Es mag auch mal Ausnahmen geben, aber bei den wichtigen Dingen wird er eher Kriterien geben, an Hand derer man entscheiden kann. Die Grundeinstellung ist aber Karma, „Alles was mir widerfährt ist irgendwo dazu da, dass ich daran wachse.“ Und dann kann man sich ja fragen, „Wie kann ich daran wachsen? Was kann ich tun, um daran zu wachsen?“
– Fortsetzung folgt –
7. Teil der Vortragsreihe über Meditation von Sukadev Bretz aus Yoga Vidya Bad Meinberg. Niederschrift von Mitschnitten aus einer Meditation Kursleiter Ausbildung.

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